Kitty Clark Autorenblog
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Leseleidenschaft

Die Magie des ersten Kapitels

Ein neuer Schuh der Rezension
So, es ist Zeit für ein Geständnis. Ich erzähle euch jetzt von meiner geheimen Leidenschaft:
Ich - LIEBE - erste - Kapitel!
Für mich hat das erste Kapitel jeder Geschichte einen ganz besonderen Zauber, den kein anderer Teil einer Geschichte hat.
Die optimale erste Szene einer Geschichte ist für mich vergleichbar mit einem jahrelang getragenen Hausschuh.
Ich möchte hineinschlüpfen und der Fuß soll in die Kuhle zwischen den weichen Stoff gleiten und haargenau hineinpassen. Es muss sich anfühlen, wie nach einer längeren, recht beschwerlichen Reise nach Hause zu kommen. Die Protagonisten dürfen für mich keine Fremden sein, die man erst kennenlernen muss. Ein neuer Schuh hat zwar einen gewissen Reiz, aber meist ist er unbequem und man läuft sich schmerzende Blasen. Ich möchte die erste Seite eines neuen Buches lesen und denken: "Genau, dich kenne ich, meine Liebe! Lange nicht gesehen! Ich freue mich, dich wiederzusehen."
Die erste Szene einer Geschichte ist, wie der ausgelatschte Pantoffel, ein Versprechen. Der Pantoffel soll dich dazu einladen, ihn weiterhin zu tragen, und dich dazu bringen, nur noch darin herumlaufen zu wollen, am Liebsten sogar noch auf dem Weg zur Arbeit, in der Mittagspause und auf dem Klo. Der Pantoffel verspricht dir Behaglichkeit, eine heimelige Wärme und Zufriedenheit. Du weißt, auf was du dich einlässt, und du weißt, du kannst lange darin laufen. So lange, bis die Geschichte erzählt ist und du die Schlappe wieder ausziehen musst - leider - weil du wieder in die Realität hinausgehen musst, aber in deinen High Heels. Oft lese ich erste Kapitel, die so dahin dümpeln, es gibt keinen Konflikt oder ich erkenne nicht, wer die Protagonistin überhaupt ist und es gibt für mich keinen Grund noch weiterlesen zu wollen. Und auf der anderen Seite gibt es Bücher, die mich einfach nur wie süchtig weiterlesen lassen.
Diese Bücher haben sie: die Magie des ersten Kapitels.

Und wenn ich an so ein Buch gerate, dann sitze ich mit Hausschuhen in der S-Bahn.