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Details zum Rezensionsstern

Wie ich Langrezensionen für Selfpublisher schreibe




Wie wichtig sind Rezensionen für Selfpublisher?

Die erste Frage, die man sich stellen sollte, ist: Wie wichtig sind Rezensionen im Allgemeinen?
Und die Antwort ist: Überaus wichtig.
Beim Online-Shopping kaufe ich persönlich nichts mehr, was nicht eine top Bewertung hat. Das mag beklagenswert erscheinen, ist aber nur menschlich. Man stützt sich auf die Schwarmintelligenz und die Erfahrungen, die andere bereits vor einem gemacht haben und vertraut darauf, dass die Gesamtheit der Mitmenschen schon recht haben wird.
Klar, Geschmäcker sind verschieden, aber ich möchte euch ein Beispiel zeigen.
Vollkommen willkürlich habe ich gerade auf Amazon in der Kategorie "Neuheiten" gestöbert und dieses E-Book hier gefunden:





Das Buch befindet sich nicht gerade in dem Genre, das ich überlicherweise lese, außerdem empfinde ich das Cover nicht als ansprechend.
Dennoch: das Buch ist als Bestseller gelabelt und hat tatsächlich 68 Bewertungen und im Schnitt alle 5 Sterne.
Da ruft mein Unterbewusstsein sofort: 'Ja, das ist vertrauenserweckend. Kann nicht schaden, sich das Buch mal näher anzuschauen.'
Hier ein weiteres, ebenso vollkommen willürliches Beispiel aus genau derselben Kategorie "Neuheiten":





Schon eher ein Buch aus einem Genre, das ich lesen wollen würde. 30er Jahre interessieren mich und Australien, fein, das klingt gut. Ebenso ist an diesem Buch ein Bestseller-Label.
ABER: 6 Bewertungen? Und der Schnitt sind 2 Sterne?
Da schrillen doch sofort alle Alarmglocken, und ohne dass ich nur entfernt einen Blick in das Buch geworfen habe, klicke ich schnell weg.
Also: Rezensionen sind wichtig.
Insbesondere unbekannte Selfpublisher sind auf Rezensionen mehr als nur angewiesen.
Merke: Rezensionen erhöhen die Chancen zur Kaufentscheidung massiv und mehr Käufe erhöhen wiederum die Sichtbarkeit.
Deshalb hier ein kleiner Aufruf: schreibt Bewertungen, und wenn es nur kurze sind, jede Rezension hilft!



Wie wichtig sind ausführliche Rezensionen für Selfpublisher?


"Guter Schreibstil, schöne Geschichte."



Viele Selfpublisher-Autoren kennen diese Form der Kurzmeinung. Man freut sich ja wirklich sehr über Rezensionen! Wie wichtig jede einzelne Rezension ist, haben wir ja eben gelernt.
Dennoch: konstruktiv weiter bringt einen das nicht. Leider.
Gerne würde man auch mal die Meinung von jemandem hören, der nicht aus dem Bekanntenkreis stammt und sich trotzdem die Zeit nimmt, ausführlich über die persönlichen Eindrücke zu berichten.
Man möchte wissen, wo andere Stärken in einem sehen, und wo sie eventuell noch Potenzial erkennen. Denn keiner ist perfekt und jeder lernt dazu, da nehme ich mich ganz sicher nicht aus. Seitdem ich mein erstes Buch Die Welt in unseren Herzen geschrieben habe, habe auch ich durch ehrliches Feedback viel dazu gelernt und ich bin dankbar für jede offene Rückmeldung.
Deshalb habe ich mir vorgenommen, Langrezensionen zu schreiben.
Mir geht es nicht darum, die Bücher qualitativ zu beurteilen. Vielmehr möchte ich meine persönliche Meinung als Autor und Leser mit euch teilen.



Wie ich die Langrezensionen aufbaue

Zunächst werde ich, wie bei Rezensionen üblich, den Klappentext und eine Zusammenfassung als Leser verfassen.
Dies ist die Kurzrezension.
Diese poste ich auch auf allen gängigen Plattformen.


Dann folgt der Rezensionsstern mit der Langrezension aus meiner Perspektive als Autor.

Puh, Rezensionsstern? Davon habe ich ja noch nie gehört?
Nee! Kannst du auch nicht, denn ich habe mir den Begriff ausgedacht.
Der Rezensionsstern basiert auf der Netzdiagramm-Technik und stellt die Verteilung von fünf Kriterien in einer Grafik dar, die wie ein Spinnennetz aussieht.
Die Kategorien habe ich selbst festgelegt, da ich diese in einem Buch als wichtig erachte (auch die Unterkategorien sind von mir subjektiv festgelegt).
Und hier ist er, der Rezensionsstern eines fiktiven Beispielbuches:





Dieses fiktive Buch hatte beispielsweise ein gutes Marketing (80%) und ein atemberaubendes erstes Kapitel (100%), was mich vermutlich dazu gebracht hat, es zu lesen. Dann aber hat mich der Inhalt nicht überzeugt (60%) und handwerklich offensichtlich abgeschreckt (40%). Der Wohlfühlfaktor in diesem Beispiel war 20%, was natürlich eine grottige Bilanz ist. Da muss schon einiges schief gelaufen sein. Das Beispiel soll ja lediglich anschaulich die theoretisch möglichen Extreme darstellen.


In der Tabelle findet ihr nun nähere Erläuterungen zu den Unterkategorien.


# Kategorie Unterkategorie Kategoriewert in % Unterkategoriewert von 10 Kommentar
1 Das erste Kapitel Hier steht die % Summe der Unterkapitel Ich liebe erste Kapitel, hier erzähle ich, warum sie für mich so wichtig sind.
Hinweise auf Hauptkonflikt Ich möchte im ersten Kapitel schon wissen, welchen Hauptkonflikt die Prota antreibt. Das muss deutlich erkennbar sein für mich.
Vorstellung der beiden Hauptcharaktere Am liebsten möchte ich die Prota UND den "Love Interest" kennenlernen, aber natürlich geht das aufgrund des Plots nicht immer.
Passendes Set fürs Opening Es gibt Thesen, dass das erste Kapitel den Grundstein für das gesamte Buch legt und da spielt natürlich das Set eine wichtige Rolle. Ist die Prota zu Hause, oder in einer fremden Umgebung? Spielt die Handlung an einer für den Plot wichtigen Stelle?
Spiegeln des Gesamttons Entpricht das erste Kapitel im Erzählton dem Rest vom Buch?
Wecken von Spannung Wird Spannung geschaffen? Fragen aufgeworfen? Will ich weiterlesen?
2 Inhalt Der Inhalt ist natürlich ein elementarer Teil des Buches.
Idee Eine alter Hut oder ein frischer Wind? Ein alter Hut ist z.B. das arme Mädchen, das sich in einen steinreichen und unerreichbaren Millionär verliebt.
Plot Entspricht der Plot einem der erwarteten Plots für das Genre (z.B. Heldenreise)
Thema als roter Faden Das Thema sollte durchweg für mich erkennbar sein, sonst bin ich als Leser ein bisschen verloren.
Spannungsbogen Variiert die Spannung? Hat der Autor dies wissentlich eingesetzt und eine für den Leser ansprechende Kurve konstruiert?
Umsetzung der Konflikte Die Hauptkonflikte trennen die beiden Potas während der Geschichte. Sind die Konflike gegenwärtig, und wie lassen sie sich lösen? Ein starker Konflikt braucht eine starke Auflösung. Wenn z.B. der Vater der Prota ihren Freund schon immer aus religiösen Gründen vehement abgelehnt hat, dann reicht es nicht zu sagen, er hat mit ihm gesprochen und findet ihn jetzt doch okay.
Charakterentwicklung Als Leser möchte ich, dass die Prota zu Beginn Schwächen hat, sich aber aus bestimmten Anreizen heraus fortentwickelt.
Dialoge Kennt ihr diese elend langen Unterhaltungen über die Freundin der Mutter im Kirchenchor? In Echt schon nicht interessant. In Büchern noch weniger.
Unterstützende Charaktere "Supporting Role" heißt es im Englischen. Und so sehe ich das auch: der Nebendarsteller muss den Prota leiten und mnchmal die richtigen Reize setzen, damit er sich fortentwickeln kann.
Schauplätze Wo spielt die Handlung? Krimi in Schweden, Thriller im Keller eines verlassenen Industriegeländes und ein Liebesroman am Strand? Es muss passen. Und falls unkonventionell, wie ist die Umsetzung?
Jobbeschreibung Ich habe mal gehört, dass der Leser (Obacht, Verallgemeinerung!) immer gerne erfährt, wie der Prota arbeitet, und Details gegenüber nicht abgeneigt ist. Fühlt sich manchmal ein bisschen an wie ein Praktikum, und je nachdem kann das echt spannend sein.
Handwerk Der beste Inhalt ist unerträglich, wenn nicht ein paar handwerkliche Grundlagen beachtet werden.
Perspektive (PoV) Die Erzählperspektive muss konsequent umgesetzt sein. Nichts ist schlimmer, als wenn die Prota plötzlich weiß, was der Prota am anderen Ende der Stadt anstellt. Außer natürlich es geht in dem Buch um Telepathie.
MRU - nachvollziehbare Handlungen Sind die Handlungen und Enscheidungen der Hauptperson nachvollziehbar? Auf Storymonster findet ihr mehr Infos dazu.
Show don't Tell Zeigen, nicht erzählen lautet die altbekannte Devise. "Er zupft sich am Ohrläppchen" statt "Er ist nervös." Dazu gibt es unendlich viel weiterführende Literatur, zum Beispiel auf www.vomschreibenleben.de.
Adjektive „Wenn du ein Adjektiv triffst, töte es.“ (Mark Twain) Na ja. So drastisch muss es ja nun nich sein. Aber sind die gewählten wenigstens angemessen eingesetzt?
Ortsbeschreibungen Wie wird die Umgebung beschrieben? Jedes kleine Details? Oder prägnant und knackig? Werden alle Sinne angeregt?
Rechtschreibung/ Grammatik Rechtschreibfehler passieren jedem. Aber konnte das Korrektorat alle vernichten?
Marketing Wie präsentiert sich das Buch im Verhältnis zum Inhalt? Entspricht das Äußere dem Inneren?
Treffgenauigkeit Klappentext Stimmt der Klappentext mit der Handlung überein?
Treffgenauigkeit Cover Habe ich aufgrund des Covers genau diese Geschichte in dem Genre erwartet?
Eindruck Cover Persönlicher Eindruck. Geschmackssache.
Treffgenauigkeit Titel Passt der Titel zum Buch? Gibt es im Buch einen Bezug dazu? Eine Erklärung?
Eindruck Titel Ist der Titel ansprechend?
5 Wohlfühlfaktor Subjektives Empfinden während des Lesens. Habe ich gelacht, geweint, mitgefühlt? Habe ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen können? Hat es mich zum Nachdenken angeregt?




Langrezension-Zusammenfassung


Nach den Einzelbewertungen errechne ich die gesamte durchschnittliche Prozentzahl und stelle dann noch als letztes Highlight meinen Lieblingsabschnitt aus dem Buch vor.